Im Live-Einsatz: Analoge Objektive

Seit Wochen, ach, was sagen wir, seit Monaten (oder sind es gar Jahre?) liegen hier ein paar alte analoge Objektive herum, die irgendwann mal in die Fototasche gerutscht sind. Wann, wie und warum, ist mittlerweile wirklich nur noch mühsam zu rekonstruieren. Als ebenso mühsam stellt sich der Versuch heraus, jedes einzelne dieser Dinger – ein „Weltblick“ 135mm f/2.8, ein Porst 50mm f/1.2 und ein Zenitar 16mm f/2.8 – einzeln zu testen und im Zylinderblog vorzustellen. Will ja auch nicht jeder lesen. Darum also ein Rundumschlag mit der Prämisse: Keine Blumen oder Landschaften. Wir testen manuelle Objektive live und vor Ort. Beim Indiefestival in Hof.

Inhalt

Analoge Objektive im Live-Einsatz

Es hätte natürlich auch jede andere Gelegenheit sein können, aber ein Musikfestival bietet dann doch die richtige Mischung aus Show, großen und stillen Momenten und und und. Das alles mit manuellen Objektiven zu fotografieren, ist vielleicht vermessen. Doch nachdem ein sehr geschätzter Kollege von der Frankenpost mit seinem Equipment auftauchte, war der Vorteil schnell klar: mindestens die gleiche Auswahl an Objektiven, aber nur ein Bruchteil des Gewichts. Allein das 200er an der DSLR wiegt wahrscheinlich mehr als die drei getesteten Gläser zusammen. Dass man damit deutlich schneller arbeiten kann (Autofokus und so) und die Ergebnisse im Zweifelsfall besser sind, ist dabei unbestritten.

Damit wäre es an der Zeit, das übliche Loblied auf das entschleunigte analoge Fotografieren zu singen. Das lassen wir, das haben wir alle schon oft genug gehört, und die ständige Wiederholung macht es weder richtiger noch falscher oder sonst irgendwas. Und wer jetzt daherkommt und sagt: „Ja, aber mit dem iPhone kann man auch und überhaupt, Tim Cook hat gesagt“ – mag sein. Aber manchmal macht es eben einen Unterschied, wie ein Bild entstanden ist. Und sei es nur für die Person, die das Bild gemacht hat.

‘Nuff said.

Analoge Objektive live: Das Porst 50mm f/1.2

Das Porst 50mm ist mit einer maximalen Offenblende von f/1.2 schon eine Ansage. Vergleichbare Objektive gibt es (wenn man nicht ein Glas von TTArtisan nutzen möchte) in der Regel im oberen dreistelligen Bereich, oft kosten sie aber auch gerne vierstellig.

Die Ergebnisse sind dabei gar nicht mal so schlecht, wenngleich bei den Fotos von der Bühne (in diesem Fall Cava) die Blende irgendwo bei 11 oder gar 16 lag. Focus Peaking hilft hier ungemein, aber bei einer größeren Blende manuell die Schärfeebene zu erwischen, ist halt schwer, wenn auf der Bühne gehüpft wird.

Anders sieht es aus, wenn Ruhe vor der Linse herrscht. Dann kann man entspannt die Blende aufreißen, Ergebnis passt.

Weltblick 135mm

Gleiches gilt für das Weltblick-Objektiv, gebaut in Japan und in Deutschland von Neckermann (!) vertrieben. Wie das Porst ein Objektiv für den Massenmarkt, und auf dem Flohmarkt hat es gerade mal einen Zehner gekostet. Was moderne Varianten dieser Brennweite kosten? Mindestens das Hundertfache. Und ja, das Sigma 135mm f/1.8 ist natürlich besser. Aber wollen wir diese Diskussion hier ernsthaft führen? Mit geschlossener Blende kommt man gut zurecht, die Bilder von Chest zeigen es, wenngleich die Schärfe nicht ganz so gut ist wie die des Porst.

Und die Offenblende tut es in ruhigen Momenten auch. Ach, und ja, die Bilder sind leicht mit Presets in Lightroom bearbeitet. 

Zenitar 16mm

Und das Zenitar? Das muss dann doch warten. Irgendwas stimmt mit dem Ding nicht, die Schärfe liegt immer (!) hinter dem eigentlichen Objekt. Keine Ahnung, was da los ist.

Ein unscharfes Bild von einer Bühne

Analoge Objektive Live: Fazit

Kann man machen, sogar gut. Man ist langsamer (nicht unbedingt „bewusster“ oder „achtsamer“), die Bilder funktionieren gut, mit etwas Übung gibt es kaum Ausschuss, und weil man langsamer ist, gibt es nach der Veranstaltung auch weniger auszusortieren. Und nach einem Abend mit dieser Ausrüstung wächst der Respekt vor den Kollegen, die in den sechziger Jahren von der Konzertfotografie gelebt haben, wie etwa Jerry Schatzberg, dem wir zahlreiche fantastische Bilder von Dylan zu verdanken haben, um nur einen Künstler zu nennen, Robin Platzer (u.a. KISS; wer sonst?) und andere.

Die entscheidende Frage lautet freilich: Im Kundenauftrag ja oder nein? Ja. Aber dann müssen beide Seiten wissen, was sie tun. Und was dabei herauskommt.

Tipp zum Schluss

Gegenlicht mögen die drei (bzw. zwei) alle nicht. Im Vergleich zu modernen Objektiven sind sie ohnehin etwas kontrastarm bzw. kontrastärmer. Im Gegenlicht geben sie dann auf.

Ein Mann mit Jeansjacke hält zwei Becher Bier.
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Die Blaue Maschine, Hof

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