Fast jeder hört sie, und es werden immer mehr: Podcasts haben sich längst als To-Go-Medium etabliert, und auch wir haben das eine Zeitlang gemacht. Die gesammelten Erfahrungen – und Momente des Scheiterns – möchten wir gerne teilen. Darum hier die wichtigsten Facts rund um das Medium Podcast. Was soll das Ganze, wie funktioniert das, und warum funktioniert es manchmal auch nicht? Die Technik ist jedenfalls in den seltensten Fällen das Problem. Es ist, wie so oft, eine Frage der Entscheidung, der Haltung und der Geduld.
Inhalt
Warum überhaupt ein Podcast?
Heute noch das Podcast-Format als den “neuesten heißen Sch…” zu bezeichnen – das würde uns nicht in den Sinn kommen. Um einen Begriff aus der Zombie-Forschung zu nutzen: Der Podcast ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen – und längst nicht mehr nur Spielwiese von Fans und Nerds, die über Spezialthemen berichten. Im Gegenteil: Es ist eine etablierte Medienform mit eigenen Gesetzen und Regeln – deren Akteure sich auf einem klassischen Markt bewegen. Inklusive Monetarisierung, Reichweitenforschung und vielem mehr. Faktoren, die viele Anfänger zurückschrecken lassen. Das ist unnötig, denn die unfassbare Bandbreite an Themen und “Sendern” zeigt: Für jeden gibt es eine Nische. Beispiele gefällig?
Die Bayern Tourismus GmbH, der Baumarkt Hornbach oder die AOK, die sich mit ihrem Expertenpodcast direkt an Arbeitgeber wendet und damit einen ganz klaren Mehrwert für die Hörer*innen bieten wollen, sind nur einige Beispiele für Unternehmenspodcasts. Für die ist der Podcast ein fester Bestandteil im Kommunikationsmix. Dies kann er auch für NGOs, Museen und andere Organisationen sein. Von Nerds einmal ganz abgesehen.
Was brauchts, damit es nicht scheitert?
Oder anders gefragt: Reicht die Fähigkeit, vor dem Mikro zu sitzen und zu sprechen? Nein. Ein paar Gedanken im Vorfeld helfen, wie immer.
Es gilt auch hier: Neben einer guten Idee (immer fein) ist ein Konzept ganz hilfreich (auch gut), externe Beratung (schön, dass Sie hier sind :-)), ein bisschen Geld (siehe unten) und Geduld (ein Podcast zündet nicht von heute auf morgen).
Beantworten Sie also folgende Fragen – idealerweise aus zwei Perspektiven: Der des/der Macher*in und der des/der Zuhörer*innen
- Haben Sie ein Thema, das zieht? Gute Geschichten? Nein? Dann zurück und weiter denken.
- Haben Ihre Hörer was davon? Und wenn ja, was? Sollen sie hinterher sagen: “Das war lustig…” oder eher “Das hätte ich jetzt nicht gewusst…”?
Das sind die Fragen, die Sie nicht nur beantworten, sondern sich mehrfach stellen und mit kritischen Partnern und Partnerinnen besprechen sollten. Und nicht nur die.
Sondern auch die:
- Wie binden Sie den Podcast in die Gesamtkommunikation ein?
- Gibt es eigene Kanäle auf Social Media, die den Podcast stützen können? Unterschätzen Sie den Kommunikationsaufwand FÜR den Podcast nicht.
Sie wollen Hörer*innen und Abonnent*innen? Dann machen Sie auf allen Kanälen, die Ihnen zur Verfügung stehen, Werbung dafür. - Wieviel Zeit wollen Sie dem Projekt geben? Wir empfehlen: Ein Jahr Minimum. Dann ab zum ersten Review. Soviel Zeit sollten Sie Ihrem neuen Baby gönnen. Viele Podcasts nehmen sich diese Zeit nicht. Und verschwinden aus den Playern. Vielleicht vor der Zeit.
Sie merken: Die Frage, ob Sie frei sprechen können, Mikrofonangst haben oder mit der Schnittsoftware umgehen können, kommt erst ganz am Schluss.
Jetzt erst: Die Technik
Es geht einfach und klein, es geht aber auch mit einem kompletten Studio. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte, und hängt von Faktoren wie Budget, Lust an Technik, verfügbaren Räumen und natürlich Intention ab. Podcasts können mit dem Handy ebenso produziert werden wie im Hörfunk-Studio. Als Faustregel lässt sich festhalten: Ein Mikrophon und ein Rechner mit einer Schnittsoftware ist die Grundausstattung, um einen vernünftig klingenden Podcast zu produzieren – wenn man keine Studiogäste hat. Will man ein Gespräch aufzeichnen, so empfiehlt sich pro Gast dringend ein eigenes Mikrophon.
Lösung 1 - die kleine Lösung
Dafür reicht ein Laptop und ein USB-Mikrophon, wie man sie bereits für deutlich unter 100,- Euro bekommt. Ein Kopfhörer – etwa ein Headset eines Handys – genügt, um die Aufnahmen zu kontrollieren.
Lösung 2 - der Mittelweg
Für eine bessere Tonqualität empfehlen sich entsprechende Mikrophone und ein eigenes Aufnahmegerät, wie etwa das Zoom H6. Es bietet die Möglichkeit, bis zu vier einzelne Mikrophone anzuschließen, und ist damit perfekt geeignet, ganze Gesprächsrunden in guter Qualität aufzuzeichnen. Ein Kopfhöreranschluss versteht sich von selbst, hinzu kommen eingebaute Mikrophone, mit denen sich vor Ort nicht nur Interviews führen lassen, sondern auch Sounds aufnehmen lassen, ja, es gehen sogar ganze Konzerte. Unser Mittel der Wahl, wenn es ums mobile Podcasting geht. Je nach Anzahl der Mikrophone sind wir hier bei etwa 600,-, es gibt vom gleichen Hersteller jedoch auch günstigere Modelle, die sich ebenfalls eignen.
Lösung 3 - das Rund-Um-Sorglos-Paket
Als größere, stationäre Lösung haben wir mit dem RodeCaster Pro gute Erfahrungen gemacht. Er ermöglicht nicht nur den Anschluss von bis zu vier getrennten Mikrophonen und das Einspielen von Sounds und O-Tönen über Speicherbänke, sondern erlaubt auch den Anschluss von weiteren Geräten über Bluetooth, was perfekt ist, wenn ein Gespräch über eine Telefonleitung aufgezeichnet werden soll. Wie das Gerät von Zoom speichert auch der RodeCaster die Soundfiles auf einer SD-Karte, man kann ihn aber auch direkt an den Rechner anschließen und die Spuren mit der Bearbeitungssoftware aufzeichnen. Sicherlich die teuerste Lösung, aber gleichzeitig die vielfältigste und komfortabelste Lösung. Mit zwei Mikrophonen, Kabeln, etc. nähern wir uns entspannt der 1000,-Euro-Grenze
Welche Software soll es sein?
Es gibt Menschen, die mit Kanonen auf Spatzen schießen – und Menschen, die Podcasts mit Software wie Adobes Audition oder Logic Pro produzieren. Das kann man tun, und dann hat man einen weiteren größeren Posten auf der Rechnung zu stehen. Von der Zeit für die mehrtägige Schulung, um das Programm der Wahl in den Griff zu kriegen, ganz abgesehen. Mit diesen Software-Boliden können Sie Symphonie-Orchester abmischen. Das ist für unsere Zwecke zu überdimensioniert. Und zu teuer. Wir empfehlen nicht nur aus Kostengründen “Garage Band” (für iOS) bzw. Audacity (für Windows). In beiden Programmen können Sie das tun, was Sie für einen Podcast benötigen. Sie können ihre Audiospuren schneiden und mischen, Sie können – in Maßen – auch eine Nachbearbeitung für einen besseren Klang vornehmen, und Sie können das Endergebnis in einem Format ausgeben, das Sie publizieren können.
Wo gibt es Musik und Sounds für Podcasts?
Sie können natürlich das Risiko eingehen und ein Lied Ihrer Wahl von Ihrer Lieblings-CD als Hintergrundmusik für Ihren Podcast nutzen. Sie ahnen jedoch zu Recht: Das wird nicht lange gut gehen; die Rechteinhaber werden sich sicherlich bald mit Ihnen in Verbindung setzen. Andererseits: Ganz ohne Musik kann ein Podcast öde werden. Um dies zu umgehen, haben Sie drei Möglichkeiten.
1.) Sie – oder ein Freund oder Familienmitglied – sind so musikalisch, dass Sie selbst etwas komponieren und einspielen.
2.) Sie haben eine Software wie GarageBand, mit der Sie sich Songs und Soundschnipsel aus der Klangbibliothek kostenfrei und rechtssicher zusammenklicken können
3.) Sie erwerben den (oder die) Song(s), die Sie brauchen, über eines der entsprechenden Portale, wie etwa Jamendo. Für 50 Euro erhalten Sie hier einen Song Ihrer Wahl, und die Bibliotheken sind so groß, dass sich hier in der Regel etwas passendes finden lässt.
Wie man Elemente wie “Station-ID” oder “Stinger” einsetzt, lässt sich – auch das ein kleiner Quick-Tipp – gut bei privaten Rundfunkstationen abgucken.
Der Podcast und der gute Ton
Die inhaltliche Qualität eines Podcasts kann noch so gut sein – eine schlechte Tonqualität ist einer der Hauptgründe, einen Podcast NICHT zu hören, und es ist erstaunlich, wie schlecht die Qualität vieler namhafter Podcasts ist. Zumal auch die akustische Qualität eines Podcasts eine Aussage über den Stellenwert darstellt, den der Podcast für Sie und Ihr Unternehmen/Ihr Projekt hat.
Zunächst mal: Er klingt NICHT deswegen schlecht, weil Sie zu wenig an den Reglern Ihrer Schnittsoftware gedreht haben. Er klingt dumpf/hallig/schlecht, weil Sie
- zu wenig Geld in ein Mikrophon investiert haben
- Sie im falschen Raum aufnehmen
- Sie zu nah/zu weit vom Mikrophon entfernt sitzen.
Apropos Mikrophon: Headsets sehen – besonders im Fernsehen oder auf YouTube – natürlich unfassbar professionell aus. Sie sorgen für einen gleichbleibenden Abstand zum Mikrophon und bieten über den Kopfhörer auch einen Rückkanal. Unserer Erfahrung nach bergen sie aber das Risiko der Nebengeräusche durch das Kabel, die immer dann entstehen, wenn das Kabel berührt oder bewegt wird. Verzichten Sie auf das Headset, und nehmen Sie ein Mikrophon und einen Kopfhörer.
Dass Sie in der Postproduktion den Klang verbessern können – etwa durch Equalizer, Kompressor und anderes -, ist klar. Bei der Wahl des richtigen Dienstleisters (siehe unten) ist das aber oftmals gar nicht notwendig.
Wie lang und wie oft podcasten?
Alles ist möglich. Zwischen 5 Minuten und drei Stunden findet sich im Netz so ziemlich alles. Reicht darum die Faustformel “So lange ich was zu sagen habe”? Nein. Denn die Länge und auch die Frequenz hängen davon ab, was Sie mit Ihrer Sendung erreichen wollen, wen Sie erreichen wollen und um welches Thema es Ihnen geht.
Sie möchten einen Podcast rund um selbstgebrautes Bier machen, mit Hinweisen zur Brautechnik und zur Vermarktung und wollen damit die echten Fans des Craft-Beers ansprechen? Dann darf die Sendung auch einmal eine Stunde oder länger sein. Fans hören lieber mehr als weniger über “ihr” Thema.
Sie wollen eine hohe Servicequalität bieten und kurz über Finanzanlagen informieren? Dann ist ein Quick-Tipp, der nicht länger als fünf bis sieben Minuten lang ist, wahrscheinlich das richtigere Format.
Sie wollen sich als Expert*in für das Recruitment positionieren? Eine halbe Stunde könnte eine gute Länge sein.
Unabhängig davon, ob Sie einen – liebevoll so genannten – “Laber”-Podcast oder eine Expertenshow anbieten – achten Sie auf die richtige Frequenz. Einmal im Monat sollte es schon sein, besser noch alle vierzehn Tage. Der wöchentliche Podcast mag Ihre Hörer*innen besser binden – unterschätzen Sie jedoch nicht den Aufwand, der mit einer wöchentlichen Ausgabe verbunden ist.
Wie lange dauert die Produktion?
Sie werden feststellen: Je mehr Routine Sie haben, desto fixer geht das ganze. Um das benötigte Zeitbudget überschlägig zu erfassen, berücksichtigen Sie die Zeit
- für die inhaltliche Vorbereitung
- das Vorgespräch
- die eigentliche Aufzeichnung
- die Postproduktion
In der Regel ist die Postproduktion der aufwändigste Part einer Sendung: Sie führen (bei einem Double-Ender) die Spuren zusammen, machen sie “sauber” (entfernen also Pausen, Versprecher, auffällige “ähs”), binden Vorspann, Abspann und Musikakzente ein (die Sie vorproduziert haben und damit jedes Mal einsetzen können) und spielen die Sendung im entsprechenden Format aus. Erfahrungsgemäß dauert die Postproduktion etwas länger als die eigentliche Sendung selbst.
Wie kriege ich meinen Podcast ins Netz?
Podcasts sind zunächst “nur” Audiodaten. Wenn Sie eine solche Datei auf Ihre Website stellen, haben Sie Ihren Podcast bereits publiziert. Dieser Weg setzt allerdings voraus, dass Menschen aktiv Ihre Seite besuchen, um den Podcast zu hören. Und natürlich gehört Ihr Podcast auch auf Ihre Website.
Entscheidender ist es jedoch, Ihre Sendung in die Podcatcher zu bringen – die Software also, mit denen Sendungen auf dem Mobilfunkgerät, im Auto oder der U-Bahn gehört werden. Die dahinter liegende Technik – der “Feed” – kann zu einem ziemlichen Gefrickel ausarten, so dass mittlerweile verschiedene Dienstleister diese Aufgabe übernehmen.
Sie erzeugen den Feed inkl. aller notwendigen Informationen (Beschreibung, Titel, Bild, Shownotes etc.) und stellen diesen Feed allen Plattformen zur Verfügung. Dazu zählen Apple Podcast, Spotify, Deezer und auch YouTube, um nur einige zu nennen.
Wir haben gute Erfahrungen mit Podigee gemacht, einem Anbieter, der die Audiodatei vor der Veröffentlichung auch nochmal durch eine akustische Waschmaschine schiebt (Auphonic) und so dafür sorgt, dass der Klang gut ist, die Lautstärke gleichmäßig ist und bleibt etc.
Podcasts und die Kosten
Wer sich auf das Abenteuer Podcast einlässt, hat wie bei allen Projekten, mit zwei Kostenblöcken zu rechnen: Den einmaligen Kosten für Hard- und Software sowie den laufenden Kosten für den Betrieb.
Die Hardwarekosten belaufen sich – wenn wir davon ausgehen, dass ein Rechner vorhanden ist – auf etwa 70 – 100 Euro bei der kleinen und etwa 1000 Euro bei der großen Lösung, die mittlere Lösung liegt etwa in der Mitte. Benötigt man weitere Mikrophone, so kommen diese natürlich noch dazu.
Die Kosten für die Software können – so man uns folgen mag – vernachlässigt werden. Sowohl GarageBand für iOS als auch Audacity für Windows sind kostenfrei erhältlich. Ob man Lizenzgebühren für Musik zahlen muss, hängt vom gewählten Weg ab.
Die laufenden Kosten betragen – wenn man extern hostet, was wir empfehlen – je nach Dienst zwischen 0,- und 12,- Euro im Monat in der Grundvariante; nach oben gibt es wie immer keine Grenze.