Warum wir bei der Hausdruckerei bleiben.

Meistens jedenfalls wählen wir die Hausdruckerei, und das, obwohl sie teurer ist. Klar, die großen Online-Druckereien (wir nennen hier mal keine Namen), bieten auf den ersten Blick unschlagbare Preise und eine sehr komfortable Abwicklung: Produkt aussuchen, Format, Qualität und Auflage festlegen, Daten hochspielen, und dann muss man nur noch auf den Boten warten. Einmal abgesehen davon, dass man auch dann manchmal ziemlich lange warten muss – den vermeintlichen Vorteilen stehen auch einige Nachteile entgegen. Welche das sind, wollen wir hier einmal diskutieren. Nicht völlig subjektiv, aber – Achtung – ohne Statistiken und langwierige Vergleichstabellen. 

Inhalt

Die Vorbereitung

Die ist, völlig unabhängig vom gewählten Dienstleister, natürlich die gleiche: Das zu druckende Produkt wird in irgendeiner Form gestaltet. Am Ende sollte ein druckfähiges pdf entstanden sein, das (hoffentlich) im richtigen Farbmodus und in der richtigen Auflösung vorliegt, und in dem alle Bilder und Schriften im richtigen Format eingebettet sind. 

Doch bereits hier können die Probleme beginnen: Natürlich werden beim Datencheck der Online-Drucker die gröbsten Schnitzer (automatisiert) bemerkt und die Datei gegebenenfalls als unbrauchbar zurückgewiesen. Wenn es allerdings um die Abmessungen des jeweiligen Dokuments geht – braucht es einen Rand oder einen Beschnitt? – muss man die Daten, die auf den Webseiten der Anbieter zu finden sind, schon ziemlich genau lesen und verstehen, um zu vermeiden, dass am Ende das Logo abgeschnitten wird oder das Vorwort über den Satzspiegel hinausreicht.

Eine gute Hausdruckerei geht hier anders vor. Sie sieht sich die Druckdaten noch einmal an, überprüft Satzspiegel, Beschnitt und anderes und gibt im Zweifelsfall Rückmeldung, verbunden mit der Bitte, die Daten nochmals zu überprüfen. Im Zweifelsfall machen die Kollegen und Kolleginnen eine pdf auch mal selbst auf, um kleinere Korrekturen – natürlich in Absprache mit dem Kunden – vorzunehmen. 

Stand also nach der ersten Runde (aus Sicht der Blauen Maschine): 1:0 für die Hausdruckerei, denn der zweite Blick zahlt sich aus.

Die Auswahl von Papiersorte und Papiergewicht

Ja, auch Online-Druckereien bieten natürlich unterschiedlichste Papiersorten und Gewichte an, die vor der Bestellung ausgewählt werden können. Doch einmal abgesehen von den entweder blumigen Beschreibungen oder den abstrakten Werten: Anfassen kann man das Papier in der Regel nicht. Es sei denn, man lässt sich (gegen Aufpreis) Muster zuschicken. Kann man machen, doch dies frisst (zumindest teilweise) den Kosten- und Zeitvorteil auf.

In der Hausdruckerei drückt man dem Kunden oder der Kundin im Zweifelsfall ein halbes Dutzend Musterbücher in die Hand, um die richtige Papiersorte und das richtige Papiergewicht selbst zu wählen. Ganz abgesehen davon, dass es dann auch noch Tipps dazu gibt, wie sich die Farbe auf diesem und jenem Papier verhält, ob die Farbe absäuft usw. Freilich – bei manchem Produkt wird das nicht notwendig sein. Für einen Flyer im Standardformat auf Bilderdruckpapier wird es das nicht brauchen. Aber schon bei einer Visitenkarte mag dies anders aussehen. 

Stand nach Runde zwei: 2:0 für die Hausdruckerei, denn anfassen kann man im Netz halt wenig.

Proof und Andruck

Alte Heidelberger Druckmaschine

Der Proof – also die nahezu farbechte Simulation des finalen Drucks – kann auch bei Online-Druckereien bestellt werden. Er kostet in der Regel extra, der Versand dauert einige Tage, doch das sollte einem die Gewissheit wert sein, insbesondere wenn es um höhenwertige Produkte geht. 

Auch die Hausdruckerei fertigt auf Wunsch einen Proof an, und auch bei ihr gibt es den nicht umsonst. Anders sieht es beim Andruck aus – bei der Hausdruckerei kann man dabei sein, was nicht nur interessant ist, sondern auch einen ersten Blick auf das finale Produkt (und sogar noch letzte Korrekturen) ermöglicht. Das wird nicht immer möglich und auch nicht immer nötig sein, ist aber eine feine Option.

Stand nach Runde drei: 3:1 – der Proof ist bei beiden eine kostenpflichtige Option, den Andruck werten wir nicht (da er bei online-Druckereien aus nachvollziehbaren Gründen kaum möglich ist).

Außer Konkurrent: Mitdenken

Zugegeben, das ist unfair, sind es bei Online-Druckereien doch in der Regel Maschinen bzw. Rechner, die nach einem standardisierten Verfahren Druckdaten prüfen und Druckaufträge abwickeln. Anders in der Hausdruckerei. In der Regel wirft hier nochmal ein Mensch ein Auge auf den Auftrag – und dann stellt die Druckvorstufe doch noch einen Tippfehler oder einen Schusterjungen fest, der entweder stillschweigend oder nochmal durch den Kunden korrigiert werden kann. 

Stand nach dieser Runde: Weiterhin 3:1 für die Hausdruckerei, denn was es bei den Onlinern kaum gibt, kann man auch nicht bewerten. 

Lieferzeit

Überraschung! Online-Druckereien sind nicht immer schneller. Oder auch anders herum: Hausdruckereien sind nicht immer langsamer. Visitenkarten, die wir (auch für diesen Beitrag) sowohl von unserer Hausdruckerei als auch von einem Online-Drucker haben fertigen lassen, wurden von letzteren nur unwesentlich schneller geliefert. Denn auch die Onliner versuchen, ihr Papier zu gut als möglich zu nutzen und möglichst viele Drucksachen aus einem Bogen herausholen. Das ist gut so, kann aber auch zu einer Verzögerung führen, insbesondere dann, wenn ausgefallene Papiersorten oder Formate gewählt werden. Da hier das Auftragsvolumen oft ein anderes ist, ist die Wahrscheinlichkeit aber größer, dass der eigene Auftrag irgendwo „mitlaufen“ kann.

Stand nach Runde 4: Die Onliner holen auf, es steht, wenn auch nur knapp, 3:2 für die Hausdruckerei. Wenn es um die Lieferzeit geht, spielen die Druckereien aus dem Netz ihre Vorteile voll aus.

Druckqualität

Jetzt wird es schwierig. Sind „normale“ Druckereien automatisch besser, weil hier ein Mensch hinter der Maschine steht? Das können und wollen wir nicht endgültig beantworten. Man kann auch in einer klassischen Druckereien miese Qualität bekommen ebenso aber erstklassiges aus dem Netz. Und dennoch fiel uns beim Vergleichsdruck unserer Visitenkarten auf, dass – bei identischen Druckdaten – die Karten aus der Hausdruckerei dann doch ein gutes Stück farbechter waren als die aus dem Netz. Das Logo war einfach richtiger.

Stand nach Runde 5: Es bleibt beim 3:2, weil uns für einen umfassenden Vergleich der Druckqualität zu wenig Vergleich vorliegen. Soviel geben wir zu.
Vergleich Hausdruckerei Onlinedruck
Auch wenn das Licht nicht optimal ist: Man erkennt den Farbunterschied zwischen Hausdruckerei (oben) und Online-Druckerei. Die Druckdaten waren dieselben.

Der Preis

Das nun ist ein Faktor, der in vielen Fällen maßgeblich darüber entscheidet, wer denn nun den Auftrag bekommt. Und hier – bei aller Sympathie – können nach unseren Erfahrungen Hausdruckereien kaum oder nur in seltenen Fällen mithalten. Bei allen Vergleichen, die wir angestellt haben – auf Grundlage von Angeboten und Aufträgen aus unserem Alltag – sind die Online-Druckereien immer günstiger. Oder anders formuliert: Die Hausdruckerei ist bei allen Produkten deutlich, oftmals um ein mehrfaches teurer. Allerdings, und das dürfte längst klar sein, sollte der Preis alleine kein Kriterium für Auswahl sein. 

Stand nach Runde 6: 3:3 und damit Gleichstand.

Das Nachspiel: Sonderwünsche

Wer das ersten Mal eine der großen Online-Druckereien im Netz besucht, wird zunächst einmal erschlagen. Nein, was es da nicht alles gibt. Eigentlich tatsächlich – alles. Auf den ersten Blick jedenfalls, und meist wird man für viele Zwecke das „richtige“ Produkt finden. Standarddrucksachen führen ohnehin alle, hinzu kommen Immer häufiger Werbeartikel und Textilien aller Art. Warum also noch zur Hausdruckerei? Weil die Onliner dann eben doch nicht jeden Wunsch erfüllen können. Sonderformate mögen noch angehen, Sonderformen, die beispielsweise eine Stanzform erfordern, werde da schon schwieriger. Wenn es schließlich um ein Heft im Sonderformat mit Wire-O-Bindung, und einer ausklappbaren U3/4 geht, stoßen die Onliner an ihre Grenzen. Das gilt auch für extremere Papiergewichte, Prägungen oder den Druck von Weiß auf Schwarz. 

Stand nach Verlängerung: 4:3 für die Hausdruckerei, denn sie kann mehr als nur das Produkt von der Stange.

Das Fazit

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, welchen Dienstleister man denn nun wählen sollte, fällt schwer. Der Spielstand von 4:3 spiegelt allerdings wieder, dass aus unserer Sicht die Hausdruckerei einige – schwer bezifferbare – Vorteile hat. Service, Beratung und mögliche Einbindung der Kundin oder des Kunden haben ihren Preis, und der ist es in vielen Fällen aus unserer Sicht auch Wert. Hinzukommt das alte Prinzip „Support you local dealer“, und damit verbunden sind natürlich  marktethische Fragen, die wir an dieser Stelle nur für uns beantworten können. Soviel aber sei als Empfehlung mitgegeben werden: Geben Sie der Druckerei um die Ecke zumindest eine Chance.

Teilenswert? Na dann.

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