Man nennt sie Fast Fifties oder auch Nifty Fifty, und ihre Brennweite von 50 mm kommt angeblich dem menschlichen Blickfeld am nächsten. 50-mm-Objektive gehören zu den wichtigsten und am häufigsten genutzten Brennweiten in der Fotografie. Jeder Objektiv-Hersteller hat dementsprechend ein 50-mm-Objektiv im Programm, und in der Folge hat auch fast jede bzw. jeder Fotografin oder Fotograf so ein Ding in der Tasche. Wenn auch, so viel Ehrlichkeit muss sein, nicht jeder von diesen Linsen überzeugt ist.
Tatsache ist: Es haben sich bei uns mittlerweile einige Objektive angesammelt, die dieser Brennweite entsprechen bzw. ihr nahe kommen. Damit ist es also Zeit für ein Shoot-out. Vergleichen wir doch mal, was die Dinger können. Und was nicht.
Inhalt
Das beste 50-mm-Objektiv: Versuchsaufbau
Nachdem wir wie immer auf das Zählen von Pixeln und auf das Zeigen von Siemenssternen verzichten wollen, machen wir es uns auch heute einfach. Fünf Objektive, ein Motiv. Immer mit größtmöglicher Blende, immer so nah ran wie möglich. Stets mit 1/250 und einer ISO von 400.
Was als Nebeneffekt übrigens zeigt, welche Folge eine auch nur leicht größere Blende haben kann. Die Bilder wurden im Abstand weniger Minuten gemacht, und sind allesamt OOC – also out of camera.
Dies bedeutet: Als DNG in Lightroom importiert, dann als .tif mit 300 dpi exportiert, in Photoshop gerahmt und fürs Web exportiert – in geringer Qualität für die Galerie, in hoher für die Einzelbilder.
Natürlich nehmen wir hier keine vollständige Vorstellung der benutzten Objektive vor; die gibt es – falls schon vorhanden – an anderer Stelle im Zylinderblog. Ansonsten werden wir sie in den kommenden Wochen und Monaten nachliefern.
Als Motiv mussten einige Beeren herhalten, die sich als überraschend geduldig erwiesen; Regentropfen und Blätter lieferten zusätzliche Details.
Das beste 50-mm-Objektiv: Die Kandidaten
Meine Damen und Herren, Applaus für unsere Teilnehmer. In loser Reihenfolge (im Bild oben von links nach rechts) präsentieren wir
- Das Porst 55 mm f\/1,2
- Das Porst 50 mm f\/1,7
- Das Edixa 50 mm f\/2,8
- Das Helios 58 mm f\/2
- Das Sigma 50 mm f\/1,4
Und ehe sich jemand beschwert, dass es sich a) nicht nur um 50-mm-Gläser handelt: Ja, ist so. Und ja, wir wissen auch, dass das Sigma kein analoges Objektiv ist. Aber ein Vergleich zur Neuzeit muss doch möglich sein, oder?
Viel Spaß beim Raten: Welches Bild mit welchem Objektiv?
Das Porst 55 mm f/1,2
Das neueste Pferd im Stall. 55 mm bei Blende f/1,2 ist schon eine Ansage, und deswegen konnten wir nicht widerstehen. Ausgetestet ist es noch nicht, dies ist der erste Versuch, damit zu arbeiten. Aber es ist vielversprechend. Nettes Bokeh, bei f/1,2 eine derartig schmale Schärfeebene, dass Focus Peaking unbedingt notwendig ist, und man vielleicht mit einem Stativ arbeiten sollte.
Das Porst 50 mm f/1,7
Dieses Objektiv gehört zu den ältesten analogen im Bestand. Es wird gerne übersehen, weil es klein und unscheinbar daher kommt, dass es aber Spaß macht, haben wir an anderer Stelle beschrieben. Bei Offenblende logischerweise nicht ganz so fluffig wie das 55 mm. Dafür auch nicht ganz so zickig, was die Schärfenebene angeht.
Das Edixa 50 mm f/2,8
Wer sich fragt, was das mit diesen Blenden auf sich hat – hier sieht man es. Gleiches Licht, gleiche Zeit wie bei den beiden anderen Bildern, doch vom Hintergrund ist unter diesen Lichtverhältnissen nur wenig zu sehen. Was das Edixa sonst so taugt, werden wir bei Gelegenheit mal anschauen.
Das Helios 58 mm f/2
Dieses Objektiv haben wir als das Beste der Besten der Besten abgefeiert. Ob wir dabei bleiben? Es ist auf jeden Fall der Kompromiss zwischen dem empfindlichen 55 mm von Porst und dem dunklen Edixa.
Das Sigma 50 mm f/1,4
Unfair? Nein, wir wollen den aktuellen Objektiven schließlich auch eine Chance geben und einen Vergleich zwischen alten, leichten, körnigen und etwas unscharfen Objektiven und einem modernen, digitalen Objektiv ermöglichen. Ein Objektiv, das ungefähr das Zehnfache der alten Gläser wiegt. Dafür aber auch entsprechend abbildet.
Einmal hochgejazzt
Out of camera ist ja nett, aber wenigstens einmal haben wir an den Reglern gezupft und das Bild des Porst 55 mm f\/1,2 ein bisschen optimiert. Was dabei rauskommt, kann sich sehen lassen. Wobei, aufgemerkt, bei zu viel Postprocessing natürlich alles von dem verloren gehen kann, was ein Objektiv so mit sich bringt.
Das beste analoge 50 mm - Fazit
Wenn das mal so einfach wäre. In diesem kurzen, schnellen Vergleichstest sind nur die Verlierer klar: Das Edixa landet wegen der geringen Offenblende auf den letzten Plätzen und teilt sich diese mit dem Sigma, das, obwohl modern und natürlich das schärfste von allen, auch das “nüchternste” von allen ist.
Sie wollen Persönlichkeit? Dann empfehlen wir die beiden Porsts und natürlich das Helios. Für heute jedenfalls. Denn wie gesagt: 50 mm gibt es wie Sand am Meer, und es wird nicht lange dauern, bis ein weiteres hinzukommt.