Wie entsteht eigentlich ein gutes Logo? Nicht als Dekoration, nicht als hübsches Bildchen, sondern als Zeichen, das schnell erkennbar ist, in verschiedenen Größen funktioniert und zum Projekt passt. Genau darum geht es bei diesem kleinen Werkstattbericht: Die Blaue Maschine gestaltet ein Logo für ein eigenes Cthulhu-Projekt.
Zugegeben, das ist kein neues Thema für die Blaue Maschine. Bereits an anderer Stelle haben wir zu einem Blick in die Logo-Werkstatt eingeladen. Aber nachdem das doch schon ein Weilchen her und das neue Projekt auch wirklich putzig ist (auch wenn es der große Cthulhu, um den es geht, nicht ist), eine kleine Reprise.
Das aktuelle Projekt dreht sich in weitestem Sinne um den Mythos, den der amerikanische Autor H. P. Lovecraft in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schuf. Die wohl bekannteste Figur daraus ist „Der große Cthulhu“, wie Lovecraft sie in der Kurzgeschichte „Der Ruf des Cthulhu“ („The Call of Cthulhu“) beschrieben hat. Und falls Sie sich fragen, wie man das ausspricht – wahrscheinlich „K-Tulhu“.
Inhalt
Das Thema: Der große Cthulhu
Wir wollen jetzt nicht weiter auf das Universum des Schreckens eingehen, das Lovecraft und weitere Autoren hier geschaffen haben. Nur so viel: Es geht um uralte Götter, die irgendwo im Universum herumschwirren, aber auch auf der Erde ihre Spuren hinterlassen haben und zum Teil von Menschen angebetet werden. Die Folgen sind in der Regel negativ, und die Zahl der Überlebenden ist stets überschaubar. Dieser Kult ist Gegenstand zahlreicher Filme, Bücher, Musikstücke und Spiele. Für ein eigenes Projekt in diesem Kontext brauchten wir ein Logo, das nicht illustriert, sondern als eigenständiges Zeichen funktioniert.
Das Motiv: Cthulhu als gestalterische Herausforderung
Ginge es um die Überarbeitung eines bestehenden Kunden-Logos, würde die Frage wohl lauten: Wie sah das Logo bislang aus?
Nun gibt es bereits Akteure, die mit einem entsprechenden Signet unterwegs sind. Wir verzichten aus Urheberrechtsgründen auf die Darstellung, aber so viel sei gesagt: Für unseren Geschmack waren viele dieser Zeichen zu kleinteilig. Zu viele Linien, zu viele Details, zu wenig Wiedererkennbarkeit in kleinen Größen.
In unserem Fall fragen wir uns also stattdessen: Wie sieht diese Figur eigentlich aus? Lovecraft beschreibt ihn nur rudimentär als tintenfischähnliches Wesen mit Flügeln. Um keine Rechte zu verletzen, haben wir – ausnahmsweise – gleich zwei KIs gebeten, uns ein Bild von der Figur zu zeichnen, und die Ergebnisse von Adobe Firefly (Links) und Microsofts Copilot rechts sind ausnahmsweise einigermaßen stimmig bzw. konsensfähig, wenn auch das Tintenfischmännchen von Microsoft etwas zu niedlich geraten ist, und der Adobe-Fassung die Flügel fehlen. Für einen ersten Eindruck mag es genügen.
ACHTUNG – diese Bilder sind mithilfe von KI generiert.
Und weil es gerade so nett war im Reich der künstlichen Intelligenz, haben wir auch gleich noch ein Logo dazu bauen lassen. Wieder von Firefly (links) und Copilot (rechts).
Die Herangehensweise
Dazu zitieren wir uns einfach mal selbst: Was also soll ein Logo sein? Ein Logo ist, schlicht gesagt, ein Zeichen. Es ist keine Erklärung, es ist nicht einmal unbedingt ein Name. Es soll zunächst nur eines sein. Oder besser dreierlei: Es muss angemessen sein, sofort erkennbar bleiben und möglichst einfach funktionieren.
Angemessen bedeutet in unserem Fall: Es kann für sich alleine stehen und funktioniert bei den geplanten Anwendungen (auf Print und Web). Freilich – die Figur, die die KI-Anwendungen für uns erstellt haben, sind ebenso wenig dafür geeignet wie die Logos, die uns die KI generiert hat. Auch hier: Zu ziseliert, zu verspielt, zu viele Details. Nicht, dass Ace Frehley, Leadgitarrist von KISS, der Gott des Logo-Designs gewesen wäre. Aber in einem hatte er recht, als er das ikonische KISS-Logo schuf: Man muss es in wenigen Strichen zeichnen und ggf. mit Nieten auf eine Jacke “schreiben” können. Simplifizierung war damit als Ziel vorgegeben. Also ran an Papier und Stift.
Reduktion: Augen, Tentakel, Kopf
Die bestimmenden Elemente waren – logisch – die Augen und die Tentakel. Auf die Flügel haben wir nach einigen Versuchen verzichtet, die Zahl der Tentakel zunehmend reduziert und auch den Kopf haben wir zunächst weggelassen.
Das aber hat dann noch nicht so gut funktioniert, wie wir uns das gedacht haben. Also: Tintenfischkopf muss sein. Blieb nur noch die Frage: Guckt uns der große Alte direkt an oder dreht er den Kopf ein wenig? Wir haben uns dann für die zweite Version entschieden. Der Rest war – Variationen über Variationen, dann nicht mehr analog, sondern digital.
Links oben: Das war zu viel des Guten, rechts oben war wiederum zu viel Tintenfisch dabei. In der Mitte zwei Varianten, von denen die linke schließlich die Grundlage für den finalen Entwurf waren.
Ausgemittelt ist oben noch nichts, das macht zu diesem Zeitpunkt aber auch nichts, das kommt später. Variationen mit der Strichstärke gab es auch, der kräftige Strich ist dem Einsatz im Netz bzw. auf Social Media geschuldet.
Das Ergebnis: ein Zeichen für Web, Print und Social Media
Und so sieht das Ganze nun aus: reduziert genug für kleine Größen, markant genug für den Wiedererkennungswert. Funktioniert in allen Farbvarianten und Größen, sieht auf einer Broschüre ebenso gut aus wie im Netz oder einem Shirt. Es braucht unseres Erachtens auch keinen Claim oder Markennamen. Dieser ergibt sich aus dem jeweiligen Kontext von selbst bzw. durch den Firmen-/Projektzusatz. Ach, und dass das Logo rund und rot ist, ist Zufall. Ähnlichkeiten zu einem anderen Logo sind rein zufällig. 🙂
Fazit: Für ein gutes Logo einfach mal entscheiden. Und weglassen
Ein gutes Logo ist immer die Folge von Entscheidungen und Entscheidungsprozessen. In diesem Fall war es die Entscheidung, Dinge wegzulassen. Das hilft vielleicht nicht immer. Wenn es um Logo-Design geht, schon.